kontakt

Workshop „Rekrutierung von medizinischem Personal aus der Nicht-EU und neuen EU-Ländern“ – 21. Mai 2015

Veranstalter
Hochschule Bonn-Rhein-Sieg St. Augustin, Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, Bereich Medizin-Tourismus und German Health Management & Consulting 

Leitung
Dipl.Kauffrau Leonore Boscher, German Health Management & Consulting 

Ort
München

Zielgruppe
Mitarbeiter von Kliniken, die entweder strategisch als auch kurzfristig an dem Thema interessiert sind, um Ärzte und hochspezialisiertes Pflegepersonal benötigen, dieses auf dem nationalen Markt nicht mehr bekommen, und die um einen korrekten Umgang bei der Rekrutierung von ausländischem Personal interessiert sind.

Überblick
Einstieg in das Thema „Internationale Ärzte und Pflegepersonal“ – praxis-nahe Einführung für strategisch orientierte Ärzte, Manager, Berater und für engagierte Kolleginnen und Kollegen aus Kliniken und Praxen.

Es werden ebenfalls Spezialthemen wie z.B. versicherungstechnische Fragen bei ausländischen Operateuren im Rahmen von internationalen Kongressen behandelt.

Inhalte
Der nationale Markt bei hochspezialisiertem Pflegepersonal und jungen Ärzten weist zunehmend ein nur noch begrenztes Angebot auf, welches sich aufgrund verschiedener Aspekte in Zukunft noch weiter verringern wird. Zunehmend müssen deutsche Kliniken Betten schliessen, weil diese aufgrund fehlenden Pflegepersonals nicht mehr bepflegt werden können. 

Der Bedarf an Pflegepersonal und Ärzten aus dem Ausland kann aus Sicht deutscher medizinischer Einrichtungen nur mit den in Deutschland üblichen Qualitätsansprüchen bedient werden. Ausländische junge Ärzte müssen letztendlich die gleiche Arbeitsleistung und Arbeitsqualität abliefern, wenn sie in deutschen Einrichtungen arbeiten wollen. Gleichzeitig müssen deutsche Kliniken und auch deutsche Behörden nicht nur den aufwändigen bürokratischen Prozess korrekt einhalten, sondern müssen / sollten diesen jungen ausländischen Kollegen eine Chance zur Integration geben. 

Der Workshop zeigt den formal korrekten und dennoch effizient zu gestaltenden Prozess auf, mit dessen Einhaltung eine Win-Win-Situation entstehen kann. Mit der auch in Zukunft steigenden Nachfrage und einem zu geringem nationalen Angebot einerseits und einer rasanten Globalisierung im internationalen Arbeitsmarkt, in welchem gut ausgebildete medizinische Fachkräfte aus teilweise schwierigen Lebens- und Arbeitsbedingungen in den Heimatländern in Länder mit hochentwickelten Gesundheitssystemen streben, stellt sich für Deutschland die Aufgabe, die Qualität und die hohen Ansprüche an das medizinische Personal zu erhalten und weiter zu entwickeln. Dies gelingt nur mit medizinischem Personal, welches den hohen Ansprüchen konsequent entspricht. Der Workshop zeigt auf, wie das aus deutscher Sicht gelingen kann, womit ein strategisch äußerst wichtiges Thema für Deutschland bearbeitet wird. 

International ist der Arbeitsmarkt für Fachkräfte, auch im medizinischen Bereich, schon sehr viel offener geworden und Deutschland muss sich dahin gehend positionieren, dass die gesuchten Arbeitskräfte willkommen sind, wenn sie den hohen Ansprüchen und den notwendigen Qualifikationen sowie Anforderungen entsprechen.  

Mindestlohn und Besteuerung von ausländischen Stipendien
Das Deutsche Gesundheitssystem und deutsche Kliniken sind beliebt bei Medizin-Studenten, Forschern und Ärzten aus dem Ausland, wenn es um Praktika, Hospitationen oder gar Facharzt-Weiterbildungen geht. Bisher war die Berufsanerkennung nach §10 BÄO die größte Hürde, da die Berufsanerkennung nicht nur das Beibringen von zahlreichen Dokumenten, aber vor allem die Fähigkeit zumindest auf B2-Sprachlevel deutsch zu können, erfordert. Bezahlt wurden solche Weiterbildungen über Stipendien von ausländischen Staaten, die ihre jungen Leistungsträger in deutschen Kliniken gut untergebracht sehen. 

Auch der DAAD förderte den wissenschaftlichen Austausch und finanzierte für junge Medizinstudenten oder junge Ärzte eine Hospitation für einen gewissen Zeitraum, so dass z.B. Lebenshaltungskosten bezahlt werden konnten. Einzelne Abteilungen deutscher Kliniken nutzten die Konstellation insofern aus, dass so genannte Gastärzte eine kleine monatliche Bezahlung erhielten, die nichts mit einem Tariflohn zu tun haben – die Argumentation der Kliniken: es würde ja auch nicht die gleiche Leistung erbracht werden wie von Ärzten auf vergleichbarem Erfahrungsniveau. Dies stimmt zwar grundsätzlich, aber vor allem hat es das Klinikbudget geschont und die Gastärzte wurden zu Billig-Lohnarbeitern, nicht selten auch mit völlig unzureichenden vertraglichen Verhältnissen. Bei Ärzten mit ausländischen Stipendien war das Thema unproblematisch, da die Regierungen vor allem aus dem Golf üppige monatliche Summen überwiesen. Eine Krankenversicherung musste abgeschlossen werden, aber ansonsten waren diese Ärzte mit ausländischen Stipendien nicht in den Steuer- und Sozialversicherungssystemen Deutschlands abgebildet. Damit ist jetzt Schluss, weil das Mindestlohn-Gesetz und der Wille vom Fiskus und von Sozialversicherungsträgern, ausländische Stipendien als Einkommen zu behandeln, jegliche Fort- und Weiterbildungsangebote für junge Ärzte aus dem Ausland nicht mehr ermöglicht. 

Eine Hospitation muss nach Mindestlohn-Gesetz bezahlt werden, auch wenn der ärztliche Hospitant tatsächlich gar nicht arbeitet, nicht arbeiten darf ohne Berufserlaubnis, und meistens auch nicht kann, da er ja zum Lernen gekommen ist. Hätte ein solcher Hospitant eine Berufserlaubnis und erlaubte sein Erfahrungsstand das Mitarbeiten, wäre eine Bezahlung nach Mindestlohn ein Verstoß gegen das Tarifgesetz. Er müsste dann mit Arbeitsvertrag auf einer Assistenzarzt-Stelle arbeiten und den gleichen Lohn wie seine ärztlichen Kolleginnen und Kollegen erhalten. 

Das monatliche Stipendium von einem Arzt aus einem Golfstaat müsste deutlich aufgestockt werden, da dann für das eigentliche Stipendium auch noch die Einkommenssteuer und alle Sozialversicherungen dazu kämen, welche dann von der Klinik entsprechend abgeführt werden müssten. Für manches Entwicklungsland, welche hoffnungsvoll junge Leistungsträger nach Deutschland zum Erfahrungen sammeln schickt, ist dies schlicht nicht bezahlbar. 

Der DAAD kann junge Medizinstudenten und Ärzte auch nicht mehr fördern, da die Förderbeträge nicht dem Mindestlohn entsprechen. Es wird händeringend nach Lösungen gesucht, vielleicht Ausnahmen vom Mindestlohn. Es kann zum Beispiel die Frage geklärt werden, ob bei Hospitationen überhaupt ein Arbeitsverhältnis vorliegt, zumal der Arzt nachweislich gar nicht selbst arbeiten darf ohne Berufserlaubnis. 

In US-amerikanischen Kliniken muss man als junger Mensch, der bei einem Spezialisten lernen möchte, etwas an die Klinik bezahlen, da diese Konstellation als Fortbildungsangebot der Klinik an den ausländischen Arzt gewertet wird. Die deutschen Ärzte haben nachweislich einen erheblichen zusätzlichen Aufwand, wenn junge ausländische Kollegen zum lernen kommen, man macht es gerne, auch wenn man eigentlich gar keine Zeit hat. Und dieser zusätzliche Aufwand, diese Fortbildung müsste vom ausländischen Arzt oder seiner Regierung bezahlt werden, da die Hospitation im Rahmen einer Fortbildung eher einem Ausbildungsvertrag entspricht und keinesfalls ein Arbeitsverhältnis, welches die Zahlung eines Mindestlohnes erfordert. 

Stipendien sind üblicherweise steuerfrei; nach §3 Nr. 44 Einkommenssteuer-Gesetz ist ein Stipendium aus dem Ausland beim Empfänger steuerfrei. Nimmt der Arzt jedoch an einem Programm zur Facharzt-Weiterbildung teil, was er nur mit einer Berufserlaubnis darf, kann ihm eine Dienstverpflichtung unterstellt werden, da er dann ja auch mit normalen Arbeitszeiten im Dienstplan abgebildet sein sollte und dann unterliegt auch das ausländische Stipendium dem Einkommenssteuergesetz und den Sozialversicherungsträgern. 

Eine unglückliche Lösung insofern, dass das ausländische Stipendium dann fast verdoppelt werden müsste, was man einem ausländischen Geldgeber schwerlich erklären kann. Es muss eine Lösung gesucht werden, welche einerseits die nationale Gesetzgebung und die Tarifbestimmungen erfüllt, und welche andererseits Hospitationen im Rahmen von Fortbildungen nicht als Arbeitsverhältnis definiert. Kurzum muss es auch eine Lösung sein, die ausländische Kooperationspartner nicht verärgert und die jungen ausländischen Leistungsträger auch in Zukunft eine Chance bietet, in Deutschland lernen zu können. 

Deutschland hat zwar eines der besten Gesundheitssysteme der Welt, aber es darf keiner kommen, um in diesem Gesundheitssystem zu lernen? Dieser Verantwortung dürfen wir uns nicht entziehen, zumal sich in Zukunft sowieso die Frage stellt, wer uns den ärztlich und pflegerisch versorgen kann – deutsche Ärzte und Pflegekräfte gibt es schon heute nicht genügend!